Posts mit dem Label Karneval werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Karneval werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Fasteleer 2018 - Eine Bilanz aus der "Provinz"... Köln lässt grüßen

Also, der Spaß ist vorbei... jetzt ist die ernste Zeit angebrochen, aber wie sieht das Fazit des diesjährigen Karnevals denn aus?

Das Thema meines Kostüms war bewusst gewählt geworden... denn, wie im letzten Bericht erwähnt, streiten such die Geister - namentlich die Stadt Köln vertreten durch Frau Reker und der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval Herr Kuckelkorn - ob Karneval noch Karneval ist.
So wie ich das historisch traditionelle Karnevalsgeschehen in Form eines Funkemariechenkostüms darstellen wollte, floß auch der traurige Teil des Karnevals mit ein... das gezeichnete Gesicht des Karnevalisten, und ich muss sagen:

Noch nie gab es soviel Resonanz auf ein Kostüm wie dieses Jahr, genauer gesagt noch soviel polarisierende Resonanz. Die Reaktionen reichten von völliger Begeisterung:
"Auf die Bühne mit Dir, dafür gibt's nen Preis" bis hin zu "Das geht gar nicht, das ist schockierend", ja selbst von "abstoßend" war die Rede... 70% positiv...20% irritiert... 10% entsetzt.... also?

Tja, was soll ich dazu sagen? Wieder einmal zeigte sich, dass anscheinend der Nerv getroffen wurde... Mission accomplished... und es zeigte sich auch, dass es klare Vorstellungen gibt, was geht und was nicht. 

Sehr oft waren die Leute überrascht, dass sich ein "ehrenwerter Beamter" unter dem Kostüm befand... WARUM NICHT?
Viele wollten die Schminke testen... Eeeeyyyy... eine Armlänge Abstand bitte... gilt auch für den Blick unter den Rock.... Hehehe...
Manche Reaktionen lassen sich nur dadurch erklären, dass man an Karneval nicht kritisch sein darf... war das nicht der Sinn des ganzen Unterfangens... stammen daher nicht die Kostüme der historischen Vereine?

Aber wer hat denn nun gewonnen... Reker oder Kuckelkorn?

Tja... Eine Bilanz







  • Leute treffen, tolle Leute kennenlernen, ganz tolle sogar ;-),  Spaß haben...
  • Tanzen und Schunkeln
  • Lachen und Schmunzeln
  • Kostüme bewundern
  • Kreativität erleben
  • Traditionen leben
Alle Punkte voll erfüllt, gelebte Freude und Spaß... keine Probleme gehabt, bis auf...







  • Bei einer Veranstaltung Minderjährige erlebt, die Zweifel an der angeblichen Überlegenheit des menschlichen Wesens gegenüber den Tieren haben aufkommen lassen, durch:
  • Das sinnlose Werfen von Flaschen in die Menge wartender Besucher
  • Das sinnlose Betrinken mit all seinen Begleiterscheinungen... vermehrt bei den Minderjährigen
  • Die sinnlosen Mengen Müll... auch bei Veranstaltungen in Hallen, bei denen dies hätte vermieden werden können
  • das teilweise aggressive, streitsuchende Gockelgehabe betrunkener Pantoffelhelden... Ohne Worte
Fazit:
Tage mit bis zu 15 Stunden Dauerkarneval ohne Probleme genossen und doch manchmal inne gehalten.

Es sind wenige, die Probleme bereiten. Es sind die wenigen, die auch im normalen Alltag die Probleme bereiten, es sind gesellschaftliche Auswüchse, die sich durch unreflektierten Konsum und rücksichtslose Selbstzentriertheit ergeben... nicht nur an Karneval... im Alltag...

Daher... Frau Reker hat recht, Herr Kuckelkorn hat recht... und beide müssen im Rahmen ihres Amtes handeln und die Gesellschaft muss sich überlegen, wohin die Reise... der nächste Zoch geht...
Alaaf... und bis 2019...

ICH FREUE MICH!

Nachtrag:
...Wissenschaft an Karneval:
Manchmal sind es die Schrägheiten, die einem im Gedächtnis bleiben. So zum Beispiel eine fast schon wissenschaftliche Definition des Problems der "rückläufigen Peristaltik" oder wie die betreffende Person es bezeichnete: "Die Kunst des Zurückspuckens".
Ich werde nicht in die Details gehen, aber ein junger Herr schaffte es von außen zweimal hintereinander die erheblichen Mengen an konsumiertem Bier in einwandfreiem Strahl an die Glasscheibe eines stadtbekannten Lokals zu setzen, dies ohne sich selbst zu beschmutzen und vor den staunenden Augen der im Lokal befindlichen Gäste, wobei er nicht versäumte, zwischen dem ersten und zweiten Male, das Lokal zu betreten und zu verkünden, dass es sich nur um gezieltes Spucken handeln würde und nicht um das landläufig als primitiv zu bezeichnende "Kotzen".... Großartig... Nicht wahr, Herr.... jetzt hätte ich es fast verraten.

...Schenk mir ein Foto...:
Ein Jugendlicher tritt an mich heran: "Können wir ein Foto machen?"... "Na klar..., wofür brauchst du denn ein Bild?" ... "Für meine Tante.... die hört immer soviel über Sie, die wollt mal wissen, wie Sie aussehen!" (Anmerkung: Genau das richtige Outfit um mein ganzjähriges Erscheinungsbild zu repräsentieren)

...So wird das nie etwas!
Eine ehemalige Schülerin sieht mich im Funkemariechenkostüm.... ein entsetzter Schrei (das Entsetzen ist real): "Mein Gott, wie siehst Du denn aus.... geh nach Hause... (ringt nach Luft)... komm als Matrose wieder.... so geht das nicht.... (das Entsetzen ist nicht mehr zu verbergen).... so findest Du nie eine Frau... wie soll das so jemals was werden.... das ist ja entsetzlich".

(Anmerkung: Erst nach mehreren Minuten der Fassungslosigkeit und einem gemeinsamen Foto konnte sich die besorgte junge Dame beruhigen.)

Karneval 2018 - Es ist wieder soweit

6:15 Uhr. Der Wecker klingelt... meist ein Kampf mit der Schlummertaste, aber heute... schneller geht's kaum, denn die Zeit drängt. Weiberfastnacht. Das Radio zuerst... Stadt mit K... Volltreffer, schon mal ein guter Einstieg. Alles ist bereits am Abend zuvor vorbereitet worden, alles liegt an seinem Platz, denn sonst wird es zeitlich eng.

Die ersten Schritte sind wie immer: Duschen, Kaffee, Frühstück und dann. Genau: Jetzt das Kostüm!
Ahhhh! Eine Damenstrumpfhose... boahhh, wat'ne Scheiße! Jetzt das Kostüm... Rock... dann schminken.. 6:45 Uhr. Den Rest des Kostüms anlegen! Alles muss mitgenommen werden, Portemonnaie, Schlüssel, dies und das, aber es darf das Kostüm nicht ruinieren. Die Zeit drängt. Geschafft!



Joooo: Das Thema, passend zu den aktuellen Ereignissen in Köln vom 11.11.2017, die die Oberbürgermeisterin Reker laut WDR mit den Worten beschrieb: 
"Der Karneval ist in den letzten Jahren - oder eher Jahrzehnten - zu etwas geworden, das eher einem allgemeinen Besäufnis entspricht, als dem, was unsere Karnevalskultur ausmacht."
Also: "Suffe, Kotze, Danze - Kölner Leitkultur?!
Das Kostüm eine Mischung zwischen dem traditionellem Funkemariechen-Outfit und dem mitgenommenem Karnevalisten... 

Mitgenommen, das ist das richtige Wort für die ersten Meter mit dem "luftigen Kostüm", denn die Eifel zeigt sich von ihrer kernigen Seite. -5° C zeigt das Thermometer. Das Kostüm zeigt seine Schwächen, aber da muss ich durch. 

Ab ins Auto und ein 15 Stunden Tag beginnt. Am Arbeitsplatz Stimmung gut, alles läuft einwandfrei. Um 11 Uhr wird die Arbeit eingestellt und es geht traditionell zu einer Kollegin, die ihre Wohnung für die Feierlichkeiten zur Verfügung stellt, damit dort rund 15 Kollegen ihr Unwesen treiben können. Ein Hoch auf die Kollegin!

Dann ab auf den Marktplatz, buntes Treiben und jede Menge Stimmung. Danach in die Kneipen und dort jedanzt, jeschwaad und ja, das gab es auch: jesuffe, jekotz und wieder jedanz... War immer so, bleibt so, gehört dazu, denn die Mehrzahl der Jecken war jeck, die Exzesse stammen von wenigen... nicht der Karneval ist schlecht, sondern die, die auch im Alltag über die Stränge schlagen. 

Alaaf, Mayoh, Helau, Ahoi...... egal, geht feiern!

Kölner Karnevalsmuseum - Ein Vormittag im Museum: Selten so....

selten so... selten so... ja, was eigentlich? Eigentlich fällt es mir schwer, das Erlebte in Worte zu fassen. Vielleicht muss ich etwas ausholen.

Wer aus dem Rheinland kommt und Karneval kennt, wer Karneval im Köln-Bonner-Raum kennt, wer an sich "jeck" ist, der weiß, um was es geht, der weiß, die Details zu schätzen und das große Ganze. Von den typischen Karnevalsliedern, die selbst im Hochsommer ein Kribbeln hervorrufen, an Weiberfastnacht die Kostümierten: vom i-Dötzchen bis zur alten Dame, die Funken, die Mariechen, der genervte Rettungssanitäter, alles gehört dazu und ergibt diese einmalige Mischung, die es vermutlich nur in Köln, in Bonn, im Rheinland gibt.

Meine Erwartungen an das Museum waren dahingehend, dass viele Details des eigentlichen, des karnevalistischen Geschehens zum Tragen kommen. Dass viel mehr Informationen zu den Epochen, den in diesen Epochen stattgefundenen Veranstaltungen, Zügen, Sitzungen, Reden und Anekdoten gezeigt würden. Eine bunte Mischung dessen, was man Karneval erlebt oder auch nicht, weil es hinter den Kulissen geschieht, aber zumindest in einem Museum dann zu Ehren derer genannt wird, die den Jecken das alljährliche Schauspiel ermöglichen. Aber nun zurück zu meinem Besuch:  Ich schritt auf einen Eingang zu, der so dunkel erschien, dass man die Befürchtung hatte, dass das Museum selbst an einem der wenigen Öffnungstage geschlossen sei. (2017 ohne Anmeldung geöffnet am: 18.03.2017, 01.04.2017, 09.09.2017, Quelle: Homepage Karnevalsmuseum, Stand 18.03.2017, Angaben ohne Gewähr)

Die Tür öffnete sich und hinter der Eingangstür trifft man auf eine Halle, die als Saal genutzt werden kann und bei meinem Besuch noch mit blauen Mülltüten angereichert war. Nun gut... warum auch für die wenigen Öffnungstage sich die Mühe machen... der "staatse kölsche Boor", der als Pappmaschee-Kamerad Wache hält, entlockte mir ein Schmunzeln. Nachdem man dann an der Kasse 6 Euro Eintritt pro Person bezahlt hat, steigt man eine Treppe hinauf und betritt die sich auf eine Ebene beschränkende Ausstellung. Dort erwarten einen viele Exponate, wenig Text, wenig Informationen, die die Komplexität des Themas Karneval widerspiegeln.

Wenn dann auch noch, wie am 18.03.2017 geschehen, einer der Monitore selbst 1 1/2 Stunden nach Öffnung noch nicht eingeschaltet war und sämtliche Kopfhörer, die die wunderbaren Weisen aus mehreren Jahrzehnten des Karnevals zum Besten geben sollen, nicht eingeschaltet sind und auch nicht eingeschaltet werden können, dann wird dem Karneval ein wichtiger Bestandteil geraubt und ein wahres Ereignis des Museums geht verloren... Och wat wor dat fröher schön doch in Colonia... 

Der Kassierer, ein älterer Herr urkölschen Typs, bemühte sich, dieses Problem zu beheben und versuchte telefonisch Verantwortliche zu erreichen... vergebens... die Besucher mussten auf die Hörproben verzichten! An ihm lag es nicht! Er hat sich wirklich bemüht!!!

Damit blieben den Besuchern nur die großen Mengen an Orden, an Deckblättern zu Karnevalsschlagern und wenige Dokumente, die Einblicke in den gelebten Karneval geben. Eine Staffelung von "schnell gelesen - Basisinfo" bis zu "tiefgründig eingearbeitet - Liebhaberwissen" gibt es nicht.

Was hätte ich mir gewünscht: Wie sahen Büttenreden in den verschiedenen Epochen aus - in Schrift, in Ton und Bild, wie umfangreich waren die Rosenmontagszüge vor 100 Jahren - in Zahlen, in Aufwand, in Zugwegkarten, was kostet die Session für das Dreigestirn - an Zeit, an Geld, wie laufen Planungen zu einem Rosenmontagszug ab? Das Ganze auf entsprechenden Stellwänden präsentiert, vielleicht auch mit einem karnevalistischen rot-weißen Faden. Das Museum - ohne Zweifel alles hochwertig gestaltet und designed, beste Glasvitrinen und optimal ausgeleuchtet - ähnelt eher einem öffentlichen Archiv, wobei die Exponate alle von bester Qualität sind, aber... . Aber vielleicht wurde meine hohe Erwartungshaltung auch nur durch den Namen ausgelöst,.. vielleicht hätte es eher... Festkomitee- und Karnevalsgesellschaften Museum heißen sollen.

Eine Reise durch den Karneval anhand der vielen Berichten, die im Archiv des WDRs noch schlummern, wäre doch kein großer Aufwand, warum aber Monitore bei denen das Bild ruckelt und Sachverhalte mit wenig Aktualität präsentiert werden? Der Kölner Karneval in der deutschen Presse (vom Kaiserreich bis heute) oder die Sichtweise aus dem Ausland. Eine Wand gestaltet mit den alljährlich karnevalstypischen Anzeigen in Tageszeitungen: "Minnie Mouse sucht Matrosen von Rosenmontag..." oder "Zahnprothese im Taxi am Samstag vom Gürzenich nach Ehrenfeld vergessen! Wer kann helfen?" All dies macht doch den Fasteleer auch nach den jecken Tagen aus! Wo waren die karnevalistischen Glanzleistungen... abgesagte Rosenmontagszüge, die dann durch Privatleute trotzdem organisiert wurden...? Ach ja, war ja nicht offiziell... vielleicht deswegen nicht ausführlich behandelt!?

Der Kölner - der rheinische - Karneval sucht in der Welt seines Gleichen, lasst dies auch für das Museum gelten... Köln kann das!

So großartig der "Fasteleer" auch ist, so ernüchternd empfand ich das Museum...ein bisschen wie Aschermittwoch, aber der gehört ja auch dazu... Alaaf!!!

Link - Homepage des Kölner Karnevalsmuseum


Warum Karneval einmalig ist - Ein kurzes Tagebuch karnevalistischen Treibens


Denjenigen, die das Phänomen kennen, braucht man vermutlich gar nicht zu erklären, was es heißt und wie man sich fühlt, wenn „et Trömmelche jeht“. Man muss raus und sobald man draußen ist, heißt es einfach genießen….

Wieverfastelovend…. Neben Rosenmontag der ultimative Tag an Karneval. Vom Kindergarten, über Schulen, Krankenhäuser und Verwaltungen es ist jeder verkleidet, ja selbst ohne Kostüm spielt man eine Rolle, das gilt bereits als verkleidet, als optisches Signal. Um 11:11 Uhr werden Rathäuser gestürmt, Schulen geben sich geschlagen und entlassen die Schülerschaft in den Straßenkarneval und dann gibt es kein Halten mehr.

Das Müllmonster - Alles aus Resten... Müll eben!
Von der Arbeitsstätte auf die Straßen und danach in die Kneipen. Für mich begann der Tag um 7:30 Uhr mit dem Anlegen des zuvor selbstgebauten Kostüms, späterer Wechsel in etwas "bequemeres"… ging der Tag bis knapp 3:00 Uhr nachts, dann war das Bett erreicht. Nach rund 19 Stunden auf den Beinen waren die brennenden Waden nur das kleinste Problem. Die Ohren sausten und das in Kneipen geltende Rauchverbot hat an Karneval keine Bedeutung, die Klamotten können der nächsten Müllverbrennungsanlage zugeführt werden. Schon an diesem Donnerstag war klar…. Noch mehr alte Freunde kann man in so kurzer Zeit gar nicht wiedersehen und so viel ausgelassene Freude sonst nie sehen. Schön war’s.

Karneval spontan - Feiern mit Freunden und den SIXPACKS (ein Insider der ganz besonderen Art)
Freitag: Ab in die Provinz… Karneval kann so einfach sein. Man schreibt ein paar nette Leute an und schon sitzt man bei fremden, herzlichen, kostümierten und gut gelaunten Jecken im Wohnzimmer und gerät in Stimmung. Dann geht es ab in eine festlich geschmückte Halle, Stimmung gut, Platz „ze danze“ und „ze schunkele“ und coole Tanzauftritte. Das Ganze bei echter kölsche Musik und eine Live-Band, die man so nur an Karneval auftreten lassen kann. Egal, einfach stimmungshebend. Um 3:00 im Bett, voher noch was gegessen. Die Stimme ist fast weg… die Beine… reden wir nicht davon.

Samstag: Zeit der Züge. Erst einen kleinen aber feinen Kinderumzug gesehen und hier wieder den Beweis dafür gehabt, dass „Fasteler“ immer funktioniert, trotz Wind und früher Nachmittagsstunden. Nach ca. 1 ½ Stunden wieder zuhause und Kostüm gewaschen, repariert und ergänzt. Um 19:00 parat gemacht, ab in einen Karnevalsabend, der einfach schön war. Tolle lokale Tanzgruppen, nette Leute, viele nette Menschen wiedergetroffen und kennen gelernt und „jedanzt“. Die Beine! Um 3:15 Uhr ging die Musik aus, um 4:30 Uhr im Bett gewesen. Geil!

Bad Godesberg - Karneval mit Aach und Krach - Ein Wimmelbild... wo bin ich?
Sonntag: Treffen mit Freunden, die aus den USA immer mal wieder in die Heimat kommen, um dort dem Frohsinn zu frönen. Der Bad Godesberger Umzug stand auf dem Programm. Knapp 2 Stunden mit Kamelle bombardiert worden und sich über Polizisten gefreut, die versuchten vor alten Herren und Damen aus dem Zug zu flüchten, die sie „bützen“ wollten. Danach in eine Seitenstraße gegangen, wo eine Band auf der Straße „kölsche Leedcher“ zum Besten gaben. Und hier wieder das Phänomen Karneval. Der Zug war vorbei, die Straße voller Leute, die ausgelassen zur Musik tanzten.

Bonn Orange - die Herren mit Geduld und Witz... Danke!
„Bonn Orange“ rückte an, um schnell die Spuren des Zuges zu entfernen, aber es war kein Durchkommen. Kein Problem, da stellt man die Fahrzeuge ab, die Polizei, vertreten durch zwei ältere Herren, die schunkelnden und mitsingend die Sache voll im Griff hatten, regelt auf sympathische Art und Weise den weiteren Verlauf. Einer ging zur Band, stellte sich vor diese und das Publikum und hob den Daumen: Noch ein Lied… „In unserm Veedel“. Stimmung pur. Danach friedliches Auseinandergehen und Entsorgen der Reste. Bilder mit Bonn Orange als Dankeschön! Nach knapp 7 Stunden wieder zuhause.

Rosenmontag: „Aanjetrocke“, „parat jemaat“ un „aff“. Der Bonner Rosenmontagszug und danach ab in die Nordstadt. Grundsatz: Alleine losziehen und gemeinsam Spaß haben. Um 10:00 Uhr im Auto, um 11:30 Uhr am Marktplatz und siehe da, trotz Verkleidung einen alten Studienkollegen aus Bonn getroffen; ein Löwe, dem Kostüme nach! Zu einer Gruppe Jecke gesellt und schon war eine illustre Runde entstanden, die die knapp 4 Stunden schunkelnd, singend und vor allem Kamelle sammelnd verbrachte.

Hier auch immer wieder eine Empfehlung: Augen auf und zuhören! Unglaublich welch kabarettistischen Einlagen im Karneval kostenfrei geliefert werden. Hier eine kleine Auswahl:
Rosenmontagszug Bonn 2017, Moderator am Rathaus: „[…] Wenn du ein Einhorn sein willst, dann sei ein Einhorn […]“
Rosenmontagszug Bonn 2017, Zwei Frauen, Mitte 40, ohne männliche Begleitung, eine als Erdbeere verkleidet, die andere als Traube, beide schon schwer angeschlagen. Traube: „.. Ich hab ihm jetzt unser Bild geschickt…“, Erdbeere: „… Was… (irritiert) Was hast du gemacht… Welches Bild?“, Traube: „…Selfie, eben…“, Erdbeere: „… An… Mein Mann weiß doch gar nicht, dass ich hier bin…“, Traube: „… Man erkennt dich doch gar nicht…“, Erdbeere: „… Ich bin froh, dass er weg ist…“, Traube (fängt an zu singen): „ Nee, Marie, isch bin kein Mann für eine Nacht, Nee….“
Pärchen - Das Mädchen: Minnie Mouse, verheult, vom Regen ebenfalls gezeichnet, Der Junge: leicht schwankend in versifftem Ganzkörper-Bärenkostüm, am Straßenrand Nähe Stadthaus, Rosenmontag gegen 20:00 Uhr, Sie: „… du hast die ganze Zeit das Reh angestarrt, du hast gar nicht aufgehört…“, Er: „… Welches Reh, die Blonde…?“, Sie: „ … Und dann warst Du lange auf dem Klo, wo war sie…?“, Er: „…Egal! Ich war pissen…“, Sie: „… Du bist ein Arsch…“, Er: „… Nee, Bär… ach leck mich doch…“; Sie läuft heulend weg.
Älteres Ehepaar auf einem Treppenabsatz in der Altstadt (Loriot hätte die beiden geliebt): Er: „… Et hätt mii Musik sinn künne…“, Sie: „…Jooo, mer Kölsch uch…“, Er: „… Die Kamelle bruch keener…“, Sie: „… Zuvill…“, Er: „…Un de Prinzenwaagen is uch immer de glieche…“, Sie: „…Joo, is halt su…“
Rettungswagen, Rosenmontag Bonn, ca.: 20:30 Uhr, Innenstadt: Rettungsassistent zu einem völlig abgestürzten Clown, der sich auf die Rollbare legen soll: "... Heben Sie die Beine..." Clown: "..Ähhh Ehhh Ahhh...", Rettungsassistent: "... DIE BEINE...", Clown: ""..Ähhh Ehhh Ahhh...", Rettungsassisten: "... DIE ZWEI BEINE, Sie haben doch ZWEI!...", Clown hebt beide Arme und sagt: "...Zwwweeiiiii...", Verzweiflung beim Rettungsassistent, der aufgibt und zum zweiten Rettungsassistent sagt: ".... Komm, wir setzen ihn hin, der kotzt eh gleich..."
Danach ab in die Kneipen, eine traditionelle Stammkneipe „Stachel“ … die gute, alte Zeit… muss sein. Diese füllte sich zwar nur zaghaft, ermöglichte aber störungsfreies Tanzen, Schunkeln und „Polonaisieren“. Innerhalb kürzester Zeit bildete sich so eine nette Gruppe, die sich stetig veränderte und ergänzte. Schön war’s. Danach ab ins Auto.

Karneval ohne Alkohol: Kein Problem!!! Was? Auto? Ja! Kein Alkohol… die gesamte Zeit… völlig problemlos und mit viel Spaß. Das einzig bedenkliche dabei ist, dass man von Leuten, die kostümiert herumstehen, gefragt wird, wie man Karneval ohne Alkohol aushält. Vermutlich dieselben Menschen, die in der Ehe auch dem Alkohol frönen, um die Beziehung durchzustehen… Dann lasst es doch!

Da das Wetter ein längeres Verweilen vor den Kneipen nicht zuließ, ging es ab nach Hause. Dort noch einmal in eine Kneipe rein und um 23:00 Uhr die Sache beendet.

"Karneval in Köln 2015" versus "Mainz bleibt Mainz" - Kölner Rosenmontagssitzung in der ARD


Dom, Kölsch, Dreigestirn, Die Bläck Föös, Die Räuber und Marc Metzger, Kasalla und wie sie alle heißen....
Dies sind nur einige der wenigen Begriffe und Namen, die man während des Karnevals und auch im vermeintlich unlustigen Restjahr in Köln zu hören bekommt und die eigentlich für die Qualität des Kölner Karnevals stehen. Wer sich über die Mediathek die ARD Karnevalssendungen zu Gemüte geführt hat, der hat auch als Rheinländer - und ich zähle mich aufgrund von Geburt und Sozialisation zu Selbigen - das Gefühl, dass etwas ganz erheblich schief läuft im Kölner Karneval.
Noch vor wenigen Jahren gab es neben den echten Unterhaltern, die heute noch aktiv und hier lobenswert genannt werden sollen, die alten Größen, die Garanten für ein Spitzenprogramm, das auf Dialekt, Witz, Ulk und Poenten setzte und Aktiven, die einfach Kölner Karneval lebten.
Natürlich hat sich der Kölner Karneval schon immer grundsätzlich vom Mainzer Karneval unterschieden. Dies wurde in diesem Jahr - egal ob im Sitzungskarneval als auch in den Zügen - alleine schon durch den Umgang mit kritischen Themen der Weltpolitik deutlich und es soll auch gar nicht erst versucht werden, den Kölner Karneval meenzerischer zu machen, aber wer die Sitzung in Mainz (Mainz bleibt Mainz am Freitag 13.02.2015 ARD) und die in Köln (Karneval in Köln 2015 am Montag 16.02.2015 ARD) gesehen hat, dem dürfte auch durch die kölsche Brille nicht entgangen sein, dass das Programm aus dem Gürzenich kaum unterhaltsam war, bzw. eher einer Musiksendung, die von schnellen Schnitten und wenig Moderation lebte, ähnelte.
Dass innerhalb der Sendung das Saal- und Fernsehpublikum auch noch zweimal das gleiche Lied zu hören bekam (Micky Brühl und Die Paveier) mag nur noch als „Nebensache“ gelten, denn zumindest das Publikum im Gürzenich schunkelte und sang in gewohnter Kölner Zähigkeit mit, aber als die Redebeiträge kamen, konnte man die 5 Beiträge leicht nach Qualität sortieren und im Verhältnis zur gesamten Sendezeit eher als Begleitprogramm titulieren.
Es scheint den Kölner Karnevalisten nicht zu gelingen, den Nachwuchs kontinuierlich zu fördern, geschweige denn, echte karnevalistische Freudenspender auf die Bühne zu bringen. Bis auf Marc Metzger kann man Bernd Stelter, Guido Cantz und Klaus und Willi auch ganzjährig auftreten lassen. Da war Metzgers permanenter Hinweis auf die suggerierte Ausstrahlung an Rosenmontag ein wunderbarer verbaler Tritt in den Hintern der ARD-Verantwortlichen und situativer Witz.
Im Vergleich zu den Größen in Mainz, also Guttenberg (Hans-Peter Betz), Till (Friedrich Hoffmann), Lars Reichow, Ernst Lustig  (Jürgen Wiesmann), Ein Mainzer Lehrer (Detlev Schönauer), und die "Jecken unter den Mainzern" nämlich Martin Heininger und Christian Schier waren die Kölner eher... unjeck... um nicht zu sagen so dynamisch und agil wie der Rosenmontagszug in Köln des Jahres 1991!

Dies gilt aber nur für den Sitzungskarneval. Der Zug ist einmalig in der Welt, die Stimmung in den Kneipen und das dafür nötige Karnevalsgen nur in der Region so anzutreffen. Das Problem scheint in der Struktur des professionellen Karnevals zu liegen, denn Et Botterblömchen, Der Weltenbummler, Ne Kölsche Schutzmann, Das Colonia Duett und Der Mann von der Blauen Partei waren und Marc Metzger sind Beweise für das jecke Potential... wo aber ist es geblieben?

Gibt es Alternativen?

Nun war ich auch auf einer Prunksitzung. Nein, nicht in Köln aber in Siegburg. Auch hier traten Kölner Größen wie Die Räuber, Marc Metzger, Der Weltenbummler auf und auch hier überwog die Musik.
Vielleicht ist es aber eine Sache, die Fernsehen nicht transportieren kann: Stimmung, die von Herzen kommt und die über Jahrzehnte reifen muss: Das Kölsche Wesen. Wenn der Saal bebt und Lieder von tausenden Stimmen mitgesungen werden, dann taugt auch der beste Receiver und HD-TV nichts. Dann wird einem klar, dass das Gefühl, welches beim Erklingen von "Denn wenn et Trömmelche jeht" aufkommt, ernst gemeint ist.

Und jetzt?

Für das Fernsehen bedeutet dies, dass Sendungen wie am Rosenmontag in der ARD einfach nicht förderlich sind, um den Kölner Karneval würdig zu vertreten. Lieder präsentieren, kann der WDR im abendlich, karnevalistischen Programm - aus den WDR-Arkaden, aus Kneipen - besser. Hier kommt die Stimmung, die der Jeck kennt und erwartet, dem Vorbild weitaus näher.

Vielleicht sollte man auch einfach mal den Mut haben, die Sitzungen nicht zu übertragen, vielleicht werden die Offiziellen dann zu einer intensiveren Nachwuchsförderung motiviert, vielleicht erwacht dann auch das Potential in manchen Jecken, die die Sendung aus ihrer Region am Montagabend vermissen und sich auf die Bühne stellen wollen, um Kölle und den Kölsche Fasteleer wieder in Schwung zu bringen.
Schön wäre es, aber es ist ein langer Weg, denn die Hans Süpers fallen nicht vom Himmel, der Auftritt des Weltenbummlers in Siegburg zeigt, dass das alte Kölner Narrentum bis heute immer noch efolgreich funktioniert, der Nachwuchs lässt sich also nicht durch einen Arbeitsauftrag wie "seid kreativ und lustig" in Schulen und Kindergärten erzwingen.
So wie der liebe Gott sich schon sehr oft als wahrer Kölner bezüglich des Wetters am Rosenmontagszug geoutet hat, so möge er jetzt auch in dieser Frage mal aktiv werden...