Footy Presto - RC Segelschiff

Nachdem ich beim Bau der Aeronaut Clipper eher enttäuscht worden bin, stieß ich auf der Suche nach eventuell pfiffigeren Modellen in einer ähnlichen Größe auf die Footy Bootsklasse. Viele Pläne sind erhältlich, aber leider sehen viele dieser Boote etwas nüchtern aus. Ich wollte aber ein schönes kleines Segelboot. Nicht unbedingt "scale" aber irgendwie mit einem Hauch Segelromantik. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich kaufte mir den Plan für die Presto - Flavio Faloci (2011): How to build the footy model Presto, The Wooden Boat Store, 978-1934982068.

Zum Buch

Das Buch habe ich für 16 Euro bei amazon bestellt und erst einmal zur Seite gelegt. Warum? Weil ich vermutlich ein wenig mehr Präzision erwartet hatte. Die Pläne sind wundervoll gezeichnet, fast so, als ob man sich diese - falls man maritim angehaucht ist - schön gerahmt ins Zimmer hängen könne. Ich hatte zudem Pläne erwartet, die bereits im Maßstab 1:1 enthalten sind. Aber hier bleibt erst einmal der Gang zum Kopierer. Erst eine E-Mail an den Konstrukteur brachte die Gewissheit, dass ich den Kopierer auf 160% einstellen musste und auch dann blieben gewisse Unsicherheiten. 
Manche der abgedruckten Bilder zeigen den Presto Erstversuch, also nicht das im Plan angegebene Boot. Es fehlt zum Beispiel auch ein schönes Profil für die Kielbombe, die Faloci aus einem Angelgewicht feilt und die ich bis dato bei keinem der örtlichen Angelläden so finden konnte. Die Pläne zeigen ein anderes Rigging als es die finale Version in den Bildern zeigt.
Zu Beginn des Baus wollte mir die oben geschilderte fehlende Präzision nicht einleuchten, aber mit jedem Schritt in Richtung Vollendung zeigte sich, dass im Prinzip die wichtigsten Dinge auch ohne DIN-Zeichnung klar sind. Die Größe bestimmt das Reglement, der Rumpf  wird durch die Stärke der Schichten und die Schablonen geregelt, die restlichen Dinge ergeben sich auch für Neueinsteiger mit jedem Bauabschnitt, vorausgesetzt man beschäftigt sich mit Sinn und Funktion der Einzelheiten. Allerdings ist die Presto damit alles andere als ein Einsteigermodell.

Zum Material

Die im Buch enthaltene Materialliste ist ein wenig unübersichtlich, aber wenn man sich mit Papier und Bleistift bewaffnet hat und ein gutes Wörterbuch Englisch - Deutsch bereitliegt, kann es losgehen. Viele Dinge hatte ich noch, manche musste ich erst einmal im Internet suchen und hier fand ich ein Onlinegeschäft, welches mich in Preis, Lieferung und Verpackung echt überrascht hat. Darum gebe ich auch hier diesen Link an: Echt ein Besuch wert!!!

Zum Bau

1. Woche
Als erstes fertigte ich den Kiel aus Pappelsperrholz. Dann besorgte ich mir Karton, um die zuvor im Kopierer vergrößerten Pläne aufzukleben und auszuschneiden. Erst dann übertrug ich die Risse auf das 6mm Balsaholz und begann die einzelnen Teile mit einem scharfen Teppichmesser und der Laubsäge auszusägen.
Diese wurden mit wasserfesten Holzleim aufeinandergeklebt und anschließend geschliffen.
Der Konstrukteur weist daraufhin, dass die Teile ca. 2 mm größer ausfallen sollen. Hier war ich ein wenig "knausrig". Dies sollte sich nach dem Grobschleifen als zusätzliche Arbeit herausstellen, denn fehlendes Holz musste aufgedickt werden und konnte erst dann entsprechend geformt werden. Optisch nicht zu erkennen, rein arbeitszeittechnisch aber mindestens eine Stunde zusätzlich.
  • Beim nächsten Mal einfach das Ganze 2mm größer ausschneiden. Spart Zeit und Ärger.

Das Deck aufzubringen war eigentlich kein Problem, allerdings hätte ich hier nicht an Nadeln zur Fixierung knausern sollen, Nach dem Öffnen der Plicht und der RC-Öffnung stellte ich fest, dass nicht alle Bereiche vollständig verklebt waren. Hier musste ich Klebstoff einträufeln und geduldig mit den Fingerchen die Teile zusammenpressen.
  • Beim nächsten Mal werde ich nicht mit Klebstoff sparen, darauf achten, dass die Rumpfoberfläche glatt und eben ist und genug Klebstoff aufgetragen wurde. Die Anzahl der Nadeln wird signifikant größer ausfallen. 
Die kleine 2mm x 2mm Leiste auf dem Deck kann leicht vorgebogen werden, dies vereinfacht das Aufkleben. Wenn jetzt noch ausreichend kleine Nadeln zum Einsatz kommen, dann ist das eine einfache Arbeit.
  • Beim nächsten Mal wird der Rumpf, das Deck und die kleine Leiste gemeinsam abgeschliffen, so entstehen keine Unebenheiten an den Seiten. Aber nur eine Kleinigkeit...

2. Woche
Am Rumpf werden jetzt die Löcher gebohrt. Hier ist Präzision und die Wahl der richtigen Bohrer gefordert. Die Kombination von Balsaholz und Sperrholz lässt den Bohrer nur schwer unter Kontrolle halten. Insbesondere beim Ruder besteht die Gefahr, dass sich der Bohrer nicht genau durch das Sperrholz bohrt, sondern in das umliegende Balsaholz "entschwindet".
  • Beim nächsten Mal: Werde ich nicht nur die Bohrung für das Ruder vorher anfertigen, indem ich einen Kanal aus aufgeklebten Sperrholzbrettchen auf beiden Seiten schaffen werde, sondern auch die Öffnung für den Kiel so gestalten, das bietet Stabilität. Im Falle des Ruders kann man sogar an ein Kunststoffröhrchen denken, welches das Problem des eintretenden Wassers lösen könnte.

Nachdem die Suche nach geeignetem Baumaterial etwas schleppend verlief, dies ist der stetig schrumpfenden Zahl an Fachgeschäften und deren ebenfalls schrumpfenden Angebotsvielfalt geschuldet, widmete ich mich den Masten. Hier bereiteten nur die Sperrholzteile Probleme, da diese beim Aussägen und Feilen gerne splitterten.


Das Kielschwert wurde aus etwas festerem Sperrholz gebaut und hatte dabei etwas mehr Gewicht, als dies in der Bauanleitung angegeben war. Hier konnte ich durch Schmiergeln... viel Schmiergeln das Gewicht reduzieren. Ein weiterer Grund für das etwas höhere Gewicht ist auch meiner Entscheidung zu verdanken, dass das Schwert nicht an der Bleibombe aufhört, sondern diesen Bereich einschließt. Somit kann ich meine eigene selbstgebaute Bleibombe seitlich aufkleben.
  • Beim nächsten Mal werde ich auf die Erfahrungen nach den ersten Fahrten zurückgreifen können und das Bleigewicht und die Kielform entsprechend anpassen.
Die Bleibombe bereitete mir auch etliche Kopfschmerzen. Zum einen kannte ich die Form nicht, auch wenn ich das Gewicht grob kannte, zum anderen wollte ich diese zweiteilig haben, um sie - nach den schlechten Erfahrungen mit den schlechten Befestigungsmöglichkeiten bei der Clipper - an den Kiel anzukleben. Ich fertigte mir einen Holzrohling (eine Halbschale), überzog diesen mit Alufolie, legte ihn auf eine Glasplatte und übergoss das Ganze mit Gips. Eigentlich wollte ich noch eine flache Gipsform anfertigen, mit der ich die andere Gipsform abdecken wollte, jedoch kam es beim Gießen nicht dazu, da mein Holzmodell, zwar basierend auf dem Plan, zu groß ausfiel und ich viel zu viel Blei eingebracht hätte. Ich legte also nur die Halbschalen-Gipsform waagrecht hin und füllte diese mit 150g Blei. Dadurch sind beide Gussteile fast gleich groß und können beidseitig auf das Holz geklebt werden. Nur noch ein wenig schleifen und spachteln und schon müsste es passen.
  • Beim nächsten Mal kenne ich jetzt die Größe der Bombe und kann sie mithilfe einer geeigneten Gießform an einem Stück bauen.
Nebenbei traf die Sendung mit den benötigten RC-Komponenten ein. Somit konnte auch die RC-Trägerplatte gebaut werden. Diese wurde nach den Plänen gebaut und an die Gegebenheiten im Boot angepasst. Vermutlich müssen noch ein paar Änderungen durchgeführt werden, wenn das gesamte Boot fertig ist, aber dies wird sich zeigen.

Während des Baus stellen sich immer wieder neue Fragen. So auch die Montage der vielen Ösen, die für das sogenannte "rigging" benötigt werden. Da der Rumpf aus Balsaholz besteht wollte ich die Messingösen nicht einfach - wie im Bauplan beschrieben - in vorgebohrte Löcher mit Sekundenkleber einkleben, sondern führte Zug-, Reiß- und Rütteltests durch. Es zeigte sich, dass die einfach in das Balsaholz eingeklebte Öse zwar nicht herausgerissen werden konnte, aber sehr stark begann zu wackeln. Die zuvor in einen 5mm Kieferholzdübel eingesetzten Ösen, die mit Holzleim in das Balsaholz eingeklebt wurden, widerstanden allen durchgeführten Tests. Ob die simulierten Zug-, Rüttel- und Reißtests auch der Realität entsprechen, wird sich zeigen.


3. Woche
Jetzt ist die Zeit der vielen Details und vieler Grübeleien. Wohin setze ich die Befestigungsösen für die Takelage, denn wie bereits oben erwähnt, sind in den Plänen nicht alle Ösen gezeigt, die auf den Fotos der finalen Presto-Version aber auftauchen? Wo genau muss ich die Öffnungen auf dem Kabinendach setzen? Daher sind die Bilder nicht repräsentativ für die Zeit, die aufgebracht wurde.
Alleine der Bau des gebogenen Baums kostete mich einen Abend, auch wenn es Spaß machte.


4. Woche
Jetzt kommen die vielen Kleinigkeiten und wichtigen Schritte. Wohin die vielen Ösen und Befestigungen? Wohin mit der Kielbombe? Und da liegt auch wieder eines der Kernprobleme. Der Plan gibt die Größe der Bombe nicht genau an, auch nicht die Position auf dem Holzschwert. Sie wurde jetzt einfach einmal verklebt. Es wird aber zusätzlich noch ein zweites Schwert mit einer verstellbaren Bombe montiert. Sicher ist sicher und für die Jungfernfahrt habe ich lieber gleich einen Ersatz dabei, als wieder frustriert mein Schiffchen nach ein paar Minuten aus dem Wasser zu heben und am Basteltisch zu verschwinden.


Die Segel... ja die Segel halt... keine Ahnung, woraus man Segel herstellt und was man dazu braucht!? Von der Bella kannte ich zwar das Material, aber wie diese Art von Stoff heißt, was das kostet und wie man die Verstärkungen anfertigt? Keine Ahnung! Icarex heißt der Stoff und ich habe ihn online bestellt, da meine Suche nach geeigneten Händlern in meiner Heimatregion nicht erfolgreich war. Verstärkt wird das Ganze mit... Icarex, welches mit doppelseitigem Klebeband aufgebracht wird. Moment! In der Anleitung verwendet der Konstrukteur an manchen Stellen nicht die runden "Flicken", sondern lange , dünne Streifen. Wie fertigt man aber nun diese Streifen an. Ich kannte nur das dicke (50mm) Klebeband eines bekannten Herstellers. Ein Besuch in dem recht regelmäßig frequentierten 1-Euro-Shop brachte die Lösung. Doppelseitiges Klebeband in einer Stärke von 6mm. Das Ganze zum Preis von 1 Euro. Schnell gekauft, sofort getestet und selbst dieses Schäppchen erfüllt seinen Zweck. Schneiden kann man den Icarex-Stoff sehr gut mit dem Teppichmesser oder einer Schere. Alles recht problemlos. Vor dieser Aufgabe werde ich nicht mehr zurückschrecken. Wenn.... Gott stehe mir bei.... die Presto schwimmt, werde ich versuchen, die Segel mit Profil anzufertigen, allerdings hat dies Zeit.


Als kleine Neuerung - ich vertraue diesem Klemmmechanismus des Kielschwertes nicht - habe ich mithilfe kleiner Messingrohre und Messingdraht den Kiel befestigt. Dieser sichert das Schwert und ermöglich auch verschiedene Positionen. Vermutlich werde ich auch ein neues Kielschwert gestalten, um eine ebenfalls neue Kielbombe, die sich auch verstellen lässt, gleich mitzumontieren.

5. Woche
Noch mehr Details: Löcher in den Segelstoff brennen, Haken biegen, Schnüre ablängen und verknoten. Zwischenzeitlich noch einmal den Rumpf streichen und vorsichtshalber das noch nicht ganz fertige Boot ins Wasser setzen, um zu testen, ob es denn überhaupt schwimmt und immer wieder die Frage: Stimmt das Gewicht und die Trimmung? Diese schienen zu stimmen, allerdings war der erste Schwimmversuch noch keine echte Jungfernfahrt.
All diese Kleinigkeiten kosten aber erstaunlich viel Zeit und die Abende vergehen, ohne, dass man große Baufortschritte betrachten kann, wie zu Beginn des Baus.
Der nächste große Schritt wird der Ständer und ein geeignetes Transportbehältnis sein, denn dafür wurde dieses Schiff eigentlich gebaut: Einpacken, auf Reise gehen, See finden, auspacken, segeln und wieder verstauen. Ohne, dass man viel Platz braucht. Auch ein geeigneter Ständer, der stabil, standfest und optisch schön ist, gehört in das Repertoire.

Jungfernfahrt




Video einer Herbstausfahrt



Materialquellen
Aufgrund der gemachten Erfahrungen sollen hier einige der Händler genannt werden, die die benötigten Materialien im Angebot hatten (Stand Oktober 2014) und bei denen die gemachten Erfahrungen eine namentliche Erwähnung rechtfertigen:

Kosten
Bevor man ein Projekt beginnt, sollte man ungefähr wissen, was beim Bau an Kosten anfällt. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass die meisten Modellbauer eine Fülle an Materialien und Werkzeuge meistens schon besitzen und nur noch die für den Bau notwendigen "Rohstoffe" kaufen müssen. Beim Bau meiner Presto konnte ich teilweise auf Materialien zurückgreifen, die ich seit mehr als 30 Jahren besitze und in einer Materialkiste aufbewahrt habe. Dies waren zum Beispiel Buchenrundhölzer und Sperrhölzer in unterschiedlicher Stärke, Kabel, Buchsen und Stecker, die Fernsteuerung und Klebstoffe.
Gekauft werden mussten:
  • Balsaholzbretter, Kieferstäbe - 26,14€
  • Segelstoff Schikarex - 11,50€
  • Servos Hi-Tech HS 225MG und HS 55 - 40,70€
  • Ständer - 5,80€
  • Lack und Verdünner - 10€
  • Schnur - 2€
  • Federringe - 0,30€
  • Messingrohre - 5,00€
Insgesamt entstanden Kosten von rund 100€, wobei sowohl die Lacke für weitere Boote reichen, als auch die Servos in anderen Projekten eingesetzt werden können. Auch der Segelstoff reicht für mindestens 3 weitere Projekte ähnlicher Größe. Somit handelt es sich um einen kostengünstigen, kleinen Spaßbringer. 


Die Transportkiste


Jetzt zeigt sich die eigentliche Stärke der Presto: Die Größe! Das ganze Schiff passt inklusive Ständer in eine Box mit einer Größe von 33cm x 22cm x 17cm. Alles ist befestigt und verstaut, damit kann man das Boot locker ins Reisegepäck packen und loslegen... Presto rules the waves!



Noch etwas...

...ein weiteres Segel! Ist sie nicht schön?



Aeronaut Clipper - Ein Segelschiff für Anfänger!?

Aeronaut Clipper Segelboot Baubericht und Erfahrungen, aero-naut clipper 300200

Baubericht und Verbesserungen

Nachdem ich meine Bella - mittlerweile muss ich nach zwei gebauten Schiffen des Typs Bella wohl die Mehrzahl benutzen - gebaut und erfolgreich zu Wasser gelassen hatte, wollte ich sowohl für zwei kleine Freizeitkapitäne als auch für die rüstige Rentnerschaft ein Boot haben, bei dem man keine Angst vor Schäden durch Manövrierunfälle oder unsachgemäßen Umgang haben muss. Die guten Erfahrungen mit der Bella veranlassten mich zum Kauf des Aeronaut Bausatzes Clipper (Best.No. 300200) und ich hoffte auf einen ähnlich qualitativ hochwertigen Bausatz wie ich ihn von der Bella kannte.

Der Bausatz

Der Bausatz wird in einer durchsichtigen Kunststoffverpackung (ähnlich einem zusammensetzbaren Karton) angeboten, der zum einen ein Bild eines gebauten Schiffes zeigt und zum anderen einen Blick auf die enthaltene Bauteile bietet.
Die Holzbauteile sind nicht wie bei der Bella lasergeschnitten sondern in Stanztechnik gefertigt, was bereits beim ersten Blick durch unschöne Verwerfungen / Dellen im Holz negativ auffällt. Leider sind auch viele Teile, und dies betraf die wichtigen Spanten, nicht richtig durchtrennt, schlimmer noch, sie sind gar nicht erst als Prägung zu erkennen gewesen. Auch die Bleibombe (in diesem Fall aus verchromten Stahl) bewegte sich munter durch die Verpackung und schuf so eine erhebliche Arbeitserleichterung, da sie durch die Größe, Masse und die damit verbundene Wucht beim Transport etliche Teile bereits aus den Bretter gelöst hatte. 
Es liegt eine farbige Bauanleitung bei und diese dürfte auch alle Fragen eines interessierten Einsteiger in den Modellbau beantworten.
Zudem liegt auch wenig Schleifpapier bei und ein Holzstückchen, welches mit dem Schleifpapier versehen, einen Schleifklotz bildet. Eine nette Beigabe.
Dass auf der Verpackung bereits ein Druckfehler ist und die Kabine auf dem Bild von der späteren Version abweicht, hätte vielleicht schon auf das, was mich später erwarten sollte, hinweisen  können, aber jetzt erst einmal zu den essentiellen Dingen.

Aero-naut Clipper - Baubericht und Erfahrungen - Der Rumpf ist fast fertig

Der Bau

Was man braucht, sollte jeder Modellbauer - auch die Neueinsteiger - ohnehin im Hause haben. Ein Teppichmesser, eine Feile, Klebeband, wasserfester Holzleim, Stecknadeln, eventuell ein gerades und ausreichend großes Bastelbrett und... dazu später.
Als einer der ersten Schritte trennt man die benötigten Teile des Rumpfes aus den Brettchen. Immer schön der Stanzmarkierung folgen, wenn da immer eine zu erkennen wäre. Dies war nicht der Fall und so kam es, dass essentielle Teile zweier Spanten abgetrennt wurden, bzw. am Brett verblieben. Neben den unschönen Strukturen, die die Stanzen auf den Holzbrettern hinterlassen, ist dies ein echtes Manko und dient sicherlich nicht dazu, Modellbauneulinge an das Hobby heranzuführen. Hier kommt bei jungen, unerfahrenen Modellbauern vermutlich eher Frust auf.
Wenn man nun die erste Hürde überwunden hat und alle Teile zum Zusammenbau vorliegen, dann sollte man erst einmal alles trocken zusammensetzen. Die an den Spanten befindlichen Befestigungslaschen, die später in das Deck gesteckt werden, passen nur teilweise, weil entweder die Ausschnitte auf dem Deck zu klein sind, oder die Laschen fertigungsbedingt zu kurz, zu lang oder zu unpräzise gestanzt wurden.
Hält man sich nun aber an alle Schritte, dann dürfte der Zusammenbau des Rumpfes problemlos verlaufen. Einmal abgesehen von dem ästhetischen Schnitzer, dass das Deck - die Decksbeplankung nicht gerade verläuft, sondern leicht schräg zur Längsachse des Schiffes.
Warum aber nicht aus Gründen der Ästhetik und der Dichtheit nicht noch ein dünnes Brettchen als Abdeckung für die Außenseite von Spant 12 (Heck) bereitgestellt wurde, bleibt ungeklärt. Ich habe einfach ein Sperrholzbrettchen aufgeklebt. Damit sind die Lücken geschlossen und ich kann den Rumpf in Holzoptik belassen.



Beim Mast war ich zuerst von den Halterungen begeistert. Sogenannte Ösenfedern halten die Segel, die Bäume und bilden die Schlaufen für die Klemmschieber. Beim Montieren der Einzelteile merkte ich jedoch schnell, dass das Ganze nicht so richtig stimmig war. An den Ösenfedern hat es sich bewährt, die Ösen um 90° zu drehen.
Bei den Segeln sollen Verstärkungen aufgeklebt werden, diese sind auch gestanzt... teilweise, hier musste ich mich mühselig an den schlechten Schnittstellen mit einem Teppichmesser heranarbeiten. Das muss alles nicht sein.

Das Konzept - Veränderungen

Die Clipper soll ein Anfängerboot darstellen und ist auch entsprechend gestaltet, allerdings werden hier Wege beschritten, die in meinen Augen nicht nachvollziehbar sind. Als einen ersten Verbesserungsansatz sah ich eine Veränderung des Ruders vor. Dieses wird in einer Messinghülse geführt, die nicht mittig im Boot, also durch den Kiel geführt wird, sondern seitlich an diesem vorbei. Befestigt wird das Ganze mit einem Stück Stoff, welches in Leim getränkt, ausreichend Stabilität bieten soll. Hier habe ich einfach den Kiel mit Restholz des Bausatzes verstärkt und dann mittig das Ganze durchbohrt. Warum dies nicht auch so im Bausatz vorgesehen ist, kann ich nicht nachvollziehen. Vermutlich, hier muss ich nun die oben begonnene Liste mit notwendigen Gerätschaften ergänzen, um den Hobbyisten nicht mit dem Kauf eines 4mm Bohrers zu belasten? Vermutlich!



Der Einsatz von Stoffstreifen als Befestigungselement scheint bei Aeronaut sehr beliebt zu sein, soll doch auch das Gewicht am Kielschwert mit Klebstoff und anschließender Stoffstreifen-Sicherung angebracht werden. In Anbetracht der Tatsache, dass ausgerechnet das Bleigewicht beim Segeln in Ufernähe Grundberührung haben könnte oder unsanft in den Ständer gesetzt wird, halte ich auch hier die gewählte Befestigungsart für ein Bausatzmodell für verbesserungswürdig. Zwar wollte Aeronaut durch den Einsatz einer Stahlbombe Jugendliche vor dem Kontakt mit Blei schützen, allerdings hätte man dann auch die Stahlbombe mit einer anderen Befestigungsart montieren müssen. Ich hätte mir eine Bombe gewünscht, die einen Schlitz in der Stärke des Kielschwertes gehabt hätte, um diese dann durch ein ebenfalls vorhandenes Loch in der Bombe mit dem Schwert verbinden zu können. Ich habe mich für eine Metallhalterung entschieden... sicher ist sicher, aber auch schwerer!
Übrigens; auch der Mast soll durch das Stoffgewebe Halt erfahren. Auch hier habe ich aus Restholz eine gründlichere Verbindung geschaffen.



Ich will meine 2,4 GHz-Empfänger nicht unter der Wasserlinie, oder knapp darüber, anbringen. Warum besitzt die Clipper einen Kabinenaufbau, der den Charme der 60er Jahre versprüht und völlig nutzlos ist. Warum hier keinen Raum schaffen für einen Empfänger. Vielleicht weil jedes Gramm, welches nach unten rutscht, zählt? Dann kann man den Aufbau auch weglassen. Ich werde den Boden des Kabine aufschneiden, in das Deck eine kleine Öffnung setzen und den Empfänger in die Kabine platzieren, vielleicht sogar noch mit zwei kleinen Ladebuchsen zusammen, damit man den Holzdeckel, der den Rumpf abdeckt, schön dicht verschließen kann.


Den Deckel nur mithilfe von Klemmbrettern zu befestigen, hielt ich aufgrund des Materials (Abachi) und der damit verbundenen Fragilität für sehr instabil. Da ich ohnehin noch eine Öffnung brauchte, um die Segel anzusteuern, kombinierte ich die benötigte Öffnung mit einem Verschlussmechanismus. Mal sehen, ob sich dies bewährt.

Aero-Naut Clipper, Baubericht und Erfahrungen Aero-Naut Clipper, Baubericht und Erfahrungen Aero-Naut Clipper, Baubericht und Erfahrungen

Als das Boot fertig war und auf Jungfernfahrt gehen sollte, wurde das Wetter schlecht - aus Modellbauersicht eher gut, denn es regnete und stürmte und so musste der lästige Platz am ungeliebten Basteltisch eingenommen werden. Das Ergebnis wurde ein neuer, etwas schnittigere Kabinenaufbau aus Balsaholz. Etwas größer als das Original, aber - so hoffe ich - ein wenig pfiffiger.


Der Aufbau ist fertig und der Empfänger passt hervorragend rein. Die Kabel werden durch eine kleine Öffnung, die gerade ausreicht, um alle benötigten alle Kabel zu fassen, zum Empfänger geleitet.


Steuerung

Mal ganz ehrlich! Etwas altbacken sieht die Clipper doch schon aus, finde ich. Der Hinweis, dass man das Schiff auch mit einer Fernsteueranlage ausstatten kann, die gezeigten Bilder, das Design und auch die Produktionsart lassen schon ein etwas älteres Konzept / Modell vermuten und so hatte ich schon von Anfang an den Wunsch, das Schiff mit verstellbarem Ruder und Segeln zu fahren. Wenn dies bei der sogenannten Footy-Klasse klappt, warum denn dann auch nicht bei einer Clipper, allerdings sei hier vorweggenommen, dass ich mit kleinen Booten, kleinen Servos und Umgestaltungen von Segelbooten wenig Ahnung habe.
Meine Hoffnung lag auf den sogenannten Microservos (siehe mein Bericht über die qualitativen Unterschiede dieser Winzlinge), die mir allerdings erhebliches Kopfzerbrechen bescherten.
Ich baute ein Brett aus leichtem Holz ein und montierte zwei Micro-Servos, eines für das Ruder, das andere mit einem langem Holzarm für die Segelverstellung. Dies bedingt allerdings auch ein paar Änderungen bezüglich der Seilführung.

Aero-Naut Clipper, Baubericht und Erfahrungen, Ruder- und Segelsteuerung mittels HS-55




Es ist geschafft!

Aeronaut Clipper - Baubericht und Erfahrungen mit der Clipper

Jungfernfahrt

Anfang August war es soweit. Die Clipper ging bei mittlerem Wind ins Wasser. Sie lag ausgezeichnet und hätte auch ruhig noch einen Akku zusätzlich vertragen, was sich auch problemlos nachrüsten lässt. Das war es aber auch schon mit dem Lob, denn die Lenkeigenschaften sind bescheiden. Hier werde ich in den nächsten Tagen einfach einmal ein größeres Ruder aus Holz oder Kunststoff basteln und es zum Einsatz bringen.

Nur einen Tag später - kurz vor der zweiten "Jungfernfahrt" habe ich aus Polystyrol ein verlängertes Ruder um das bestehende Originalruder der Clipper gebaut. Die zwei 1 mm starken Polystyrolplatten werden im vorderen Bereich noch durch ein das Originalruder umschließenden Träger (3 mm Polystyrol) geformt und gehalten. Theoretisch könnte dieses aufgesetzte Ruder auch wieder entfernt werden und mit dem alten weitergesegelt werden. Die Erfahrungen mit dem neuen Ruder waren aber derart beeindruckend, dass vorerst keine Veränderungen geplant sind.

Aeronaut Clipper - neues, vergrößertes Ruder


Die unten gezeigten Bilder entstammen der zweiten "Jungfernfahrt", da die Clipper mithilfe eines großen Ruders überhaupt steuerbar wurde.

Aeronaut Clipper Jungfernfahrt Aeronaut Clipper Jungfernfahrt Aeronaut Clipper Jungfernfahrt

Aeronaut Clipper Jungfernfahrt Aeronaut Clipper Jungfernfahrt



Fazit

Ich habe den Bausatz verbilligt bekommen, rund 30 Euro habe ich gezahlt, mehr hätte ich auch nicht akzeptiert. Warum wurde der Bausatz nicht in der Lasercut-Methode produziert? Vermutlich wegen des Preises. Dann hätte ich zumindest aber schon einmal ein Auge zugedrückt. Warum stellt man die Produktion nicht ein und schafft einen Bausatz, der den Einstieg in die Footy-Klasse ermöglicht, vielleicht sogar mit genaueren Angaben zum Einbau moderner Fernsteuerungen und Segeltipps? Es sollen doch Einsteiger in ein immer unbeliebteres Hobby gefunden werden. Ein schnittiges, pfiffiges Footy.

Wie bereits oben erwähnt, ist es die Summe der vielen kleinen Unstimmigkeiten, die mich eher betrübt auf den Bausatz blicken lassen. Es fängt an mit einem vom Bausatz abweichenden Bild auf der Verpackung (Fenster Kabine), über einen Rechtschreibfehler auf der Verpackung, über ein schräges Muster der Decksplanken, eine schlechte Stanztechnik, fragwürdige Befestigungen mittels Stoffstreifen..... ich mache es kurz: 

Hier meine Bitten:

Liebes aero-naut Team!
Schafft einen neuen Bausatz, der

- optisch schöner ist,
- der den Einstieg in eine Bootsklasse ermöglicht, die weit verbreitet ist (Footy)
- der qualitativ anspricht und die neuen Kunden an die Marke bindet
- der umfassend in das Hobby einführt
- der... jetzt seid ihr dran!
Danke!